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Lernen mit allen Sinnen: Wie Dortmunds Museen zum zweiten Klassenzimmer werden

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Lernen mit allen Sinnen: Wie Dortmunds Museen zum zweiten Klassenzimmer werden

Ein Schulausflug ins Museum – für viele Generationen war das ein Pflichttermin, der mit stillem Durch-die-Gänge-Schreiten und ehrfürchtigem Schweigen verbunden war. Dieses Bild gehört in Dortmunds Kultureinrichtungen der Vergangenheit an. Heute laden Museen Schülerinnen und Schüler dazu ein, Fragen zu stellen, Objekte zu berühren, selbst zu experimentieren und Geschichte hautnah zu erleben. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Museen hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt – zum Vorteil beider Seiten.

Von der Führung zum Dialog: Neue Formen der Kunstvermittlung

Die klassische Führung, bei der eine Expertin oder ein Experte vor dem Kunstwerk spricht und die Gruppe zuhört, hat ihren Platz – aber sie ist längst nicht mehr die einzige Form musealer Bildungsarbeit. Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund werden interaktive Formate angeboten, bei denen Schülerinnen und Schüler selbst zum Ausgangspunkt des Gesprächs werden. Was sehen sie in einem Bild? Was fühlen sie? Welche Fragen stellt ein historisches Objekt an die Gegenwart?

Dieser dialogische Ansatz hat sich als besonders wirksam erwiesen, weil er das Vorwissen und die Perspektive der jungen Besucherinnen und Besucher ernst nimmt. Kunst wird nicht als etwas Abgeschlossenes präsentiert, das verstanden werden muss, sondern als etwas Lebendiges, das zur Auseinandersetzung einlädt.

Workshops und Mitmachstationen: Kreativität als Lernweg

Neben geführten Rundgängen bieten viele Dortmunder Museen praktische Workshops an, in denen Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. Im Anschluss an die Besichtigung einer Ausstellung können sie beispielsweise eigene druckgrafische Arbeiten erstellen, Druckplatten gestalten oder historische Techniken der Malerei ausprobieren. Diese handwerkliche Begegnung mit dem Material vertieft das Verständnis für die Werke, die zuvor betrachtet wurden.

Auch das Ruhr Museum in Essen, mit dem Dortmunder Institutionen eng vernetzt sind, setzt auf erfahrungsbasiertes Lernen. Doch Dortmund selbst hat in den vergangenen Jahren eigene, unverwechselbare Formate entwickelt. Das Stadtmuseum etwa bietet Schulklassen Spurensuchen durch die Stadtgeschichte an, bei denen historische Quellen wie Fotos, Urkunden und Alltagsgegenstände als Ausgangspunkt für eigenständige Recherche dienen.

Lehrplanbezug: Wenn Museum und Unterricht Hand in Hand gehen

Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Schulen und Museen ist die Anbindung an den Lehrplan. Lehrkräfte stehen unter erheblichem Zeitdruck und können Ausflüge nur rechtfertigen, wenn sie einen klaren Bezug zu den Unterrichtszielen herstellen. Dortmunds Museumspädagoginnen und -pädagogen haben darauf reagiert und bieten Materialien an, die direkt auf die Curricula der verschiedenen Schulformen und Jahrgangsstufen abgestimmt sind.

Für den Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I etwa gibt es Führungskonzepte, die sich mit der Industrialisierung des Ruhrgebiets befassen – ein Thema, das in keinem anderen Kontext authentischer vermittelt werden kann als inmitten der originalen Zeugnisse dieser Epoche. Für den Kunstunterricht stehen Einheiten zur Verfügung, die Stilanalyse und Bildinterpretation an konkreten Werken üben.

Digitale Erweiterungen: Museum ohne Grenzen

Die Pandemie hat viele Museen dazu gezwungen, ihre Bildungsangebote neu zu denken – und dabei sind dauerhafte Innovationen entstanden. Digitale Führungen, virtuelle Rundgänge und interaktive Online-Materialien ermöglichen es Schulklassen, sich auch vor oder nach dem Besuch intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Einige Dortmunder Institutionen bieten inzwischen hybride Formate an, bei denen ein physischer Besuch durch digitale Vor- und Nachbereitungsmaterialien ergänzt wird.

Besonders interessant sind Augmented-Reality-Anwendungen, die auf dem Smartphone oder Tablet zusätzliche Informationsebenen über ein Kunstwerk legen. Schülerinnen und Schüler können so eigenständig Hintergrundinformationen abrufen, verschiedene Zeitschichten eines Gemäldes erkunden oder historische Fotografien mit dem heutigen Erscheinungsbild eines Ortes vergleichen.

Inklusion als Selbstverständnis

Moderne Museumspädagogik in Dortmund denkt Inklusion von Anfang an mit. Angebote für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen sind keine Ausnahme, sondern ein fester Bestandteil des Programms. Leichte Sprache, taktile Stationen für sehbeeinträchtigte Besucherinnen und Besucher sowie besondere Formate für Klassen mit Fluchterfahrung gehören zum Repertoire engagierter Museumspädagoginnen und -pädagogen.

Gerade Museen bieten in diesem Zusammenhang etwas Unschätzbares: Sie sind neutrale Räume, in denen gemeinsame Erfahrungen jenseits sprachlicher oder sozialer Barrieren möglich sind. Ein Kunstwerk kann berühren, bevor man die Worte dafür gefunden hat.

Praktische Hinweise für Lehrkräfte

Wer einen Museumsbesuch für seine Klasse plant, sollte frühzeitig mit den Museumspädagoginnen und -pädagogen der jeweiligen Einrichtung in Kontakt treten. Die meisten Dortmunder Museen bieten kostenlose Beratungsgespräche an, in denen das passende Format für die jeweilige Klasse und den Unterrichtskontext ausgewählt werden kann. Viele Angebote sind für Schulklassen kostenfrei oder zu stark vergünstigten Konditionen buchbar.

Eine Voranmeldung ist in der Regel erforderlich und empfehlenswert – nicht nur aus organisatorischen Gründen, sondern auch, weil so das Programm optimal auf die Bedürfnisse der Gruppe abgestimmt werden kann. Der Museumsbesuch wird so nicht zum Pflichttermin, sondern zum Höhepunkt einer Unterrichtseinheit.

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